
Newsletter 2-2025
Aufklärung und Vernetzung
Netzwerktreffen „Frühe Hilfen“ Hassels
Vor den Sommerferien am 25. Juni bot das Netzwerk „Frühe Hilfen“ in Hassels eine Fachveranstaltung zum Thema weibliche Genitalbeschneidung an, die im Ernst-Lange-Haus der Diakonie Düsseldorf stattfand. Dabei sensibilisierte unsere Geschäftsführerin Jawahir Cumar die Fachkräfte vor Ort und stellte die Arbeit der Beratungsstelle vor. Das Netzwerk „Frühe Hilfen“ holt alle Akteur*innen an einen Tisch, die in Hassels mit Kindern von 0 bis 6 Jahren arbeiten. Dazu gehören Erzieher*innen aus den umliegenden Kindertagesstätten, Logopäd*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Ärzt*innen und der Elternbesuchsdienst. In Hassels leben viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern, darunter auch Länder, in denen die weibliche Genitalbeschneidung verbreitet ist. Eine Sensibilisierung der Fachkräfte ist hier besonders wichtig. Das Netzwerk „Frühe Hilfen“ in Hassels wird von der Diakonie Düsseldorf in Kooperation mit dem Amt für Soziales und Jugend koordiniert.
Hochschule Niederrhein Krefeld
Ihr Wissen zum Thema weibliche Genitalbeschneidung teilten Jawahir Cumar und die Frauenärztin Agata Romanski-Ordas am 25. April mit den Studierenden des Studiengangs „Angewandte Hebammenwissenschaft“ an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Dabei vermittelte Agata Romanski-Ordas die gesundheitlichen Aspekte und berichtete aus der gynäkologischen Sprechstunde der Beratungsstelle, die die Oberärztin der Frauenklinik am Lukaskrankenhaus Neuss leitet. Über die soziokulturellen Hintergründe, den Umgang mit betroffenen Frauen und die Arbeit der Beratungsstelle informierte Jawahir Cumar die künftigen Hebammen.
Vernetzungstreffen KIM-Case Manager*innen Rhein-Kreis Neuss
Mit einem Vortrag informierte Sabina Holz am 11. Juni im Rhein-Kreis Neuss über das Thema weibliche Genitalbeschneidung und die Beratungsstelle. Die Mediatorin und Trainerin ist gemeinsam mit Amaal Said Mohamud bei unserem Verein für Social Media zuständig. Das Kommunale Integrationsmanagement (KIM) im Rhein-Kreis Neuss unterstützt Zugewanderte, die bisher keinen oder keinen ausreichenden Zugang zu bestehenden Regelangeboten haben. Dafür hat der Rhein-Kreis Neuss in allen kreisangehörigen Kommunen ein KIM-Case-Management eingerichtet. Durch speziell geschulte KIM-Case Manager*innen erhalten Zugewanderte in Neuss, Grevenbroich, Kaarst, Jüchen, Rommerskirchen, Meerbusch, Dormagen und Korschenbroich eine individuelle Beratung und Begleitung. In einzelnen Fällen hatten die KIM-Case Manager*innen mit dem Thema weibliche Genitalbeschneidung zu tun. Dabei ging es um die Begleitung betroffener Frauen und gefährdeter Mädchen. Deshalb war unser Vortrag für die KIM-Case Manager*innen von großer Bedeutung. Besonders relevant waren für sie Aspekte wie die konkrete Ausprägung, die regionale Verbreitung, Hinweise auf eine drohende Genitalbeschneidung und aufenthaltsrechtliche Belange.
Maria-Montessori-Gesamtschule Meerbusch
Die Schülerinnen und Schüler des Feminismus-Kurses in der gymnasialen Oberstufe der Städtischen Maria-Montessori-Gesamtschule Meerbusch bekamen am 10. April Besuch aus unserer Beratungsstelle. Die Geschäftsführerin und Psychosoziale Beraterin Jawahir Cumar informierte die 17 bis 18 Jahre alten Jugendlichen über das Thema weibliche Genitalbeschneidung und berichtete praxisnah von der Beratungsarbeit. Der Kontakt zur Schule war durch die Mutter eine*r Schüler*in zustande gekommen, die am 05. März bei unserem Vortrag im Soroptimist Club Meerbusch war. Sie hatte der Lehrerin davon erzählt, die uns kurzfristig eingeladen hat. Die Maria Montessori-Gesamtschule Meerbusch möchte uns künftig jedes Jahr einladen, weil es ein sehr wichtiges Thema sei, über das die Jugendlichen Bescheid wissen sollten. Zudem wollen die Lehrer*innen unsere Beratungsstelle in Düsseldorf besuchen.
Schulungen
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Berlin
Regelmäßig schult die Beratungsstelle stop mutilation Deutschland e.V. die Sonderbeauftragten für geschlechtsspezifisch Verfolgte beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zum Thema weibliche Genitalbeschneidung. Bei der Basisschulung am 27. Mai in Berlin nahmen 28 Einzelentscheider*innen teil. Dabei informierte Jawahir Cumar über die soziokulturellen Hintergründe und stellte die Arbeit der Beratungsstelle vor. Sie führte die Schulung zusammen mit Isabel Runge, Fachärztin an der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg durch, die die medizinischen Aspekte vermittelte. Im Anschluss an die Fachvorträge fand eine Fragerunde statt, an der sich die Teilnehmer*innen rege beteiligten. Das Feedback fiel sehr positiv aus. Ihren Aufenthalt in Berlin nutzte Jawahir Cumar auch für einen Besuch in der somalischen Botschaft, um mit S.E. Herrn Abdiasis Mohamud Mohamed, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Bundesrepublik Somalia, zu sprechen. Er hat das Amt seit September 2024 inne. Bei dem Gespräch ging es um die Arbeit mit den Communities in Deutschland und darum, gemeinsam etwas zu tun.
Veranstaltungen
Theatermuseum Düsseldorf
Zu einem besonderen Format war Jawahir Cumar am 23. Mai im Theatermuseum Düsseldorf eingeladen. „Das musikalische Poesiealbum“ ist eine Mischung aus Talk und Karaokeabend mit dem Publikum. In der gemeinsamen Veranstaltungsreihe stellen kom!ma – Verein für Frauenkommunikation e.V. und das Theatermuseum sechsmal im Jahr Düsseldorfer Frauen vor, die sich auf unterschiedlichste Art und Weise für Frauenbelange in der Stadt einsetzen. Die Frauen haben die Möglichkeit, sich und ihr Leben und Wirken vorzustellen. Zwischendurch werden zusammen mit dem Publikum Lieder gesungen, die den Talkgast im Laufe des Lebens begleitet haben. Unterstützt werden sie dabei von Franka Werden, einer professionellen Sängerin, und Tim Steiner am Klavier. Seit Jawahir Cumar im Jahr 1996 den Verein gegründet hat, ist ihr Leben untrennbar mit ihrem Engagement für Frauen und Mädchen, die von Genitalbeschneidung betroffen oder bedroht sind, verbunden. Bei der Veranstaltung erzählte sie dem Publikum von ihren Beweggründen und was die Beratungsstelle macht. Moderiert wurde der Abend im Theatermuseum von Käthe Lorenz.
Soroptimist Club Düsseldorf-Karlstadt
Sein 20-jähriges Bestehen feierte am 05. April der Soroptimist International Club Düsseldorf Karlstadt mit 80 Gästen, darunter auch Ehrengäste aus der Stadtgesellschaft. Ein Grußwort hielt Miriam Koch, Dezernentin für Kultur und Integration der Landeshauptstadt Düsseldorf. Die offizielle Feier fand am Nachmittag im Palais Wittgenstein statt. Im Maxhaus gab es später ein Abendessen mit Party. Zu dem Jubiläum war auch unsere Beratungsstelle eingeladen, die von der Künstlerin Astrid Puttins, die aktiv in unserem Verein mitarbeitet, und Jawahir Cumar vertreten wurde. Sie nahmen an beiden Teilen der Veranstaltung teil. Dabei hatten sie am Abend im Maxhaus einen Informationsstand, an dem im Hintergrund eine PowerPoint-Präsentation lief, und stellten auf der Bühne die Arbeit der Beratungsstelle vor.
Seit der Gründung des Soroptimist Clubs Düsseldorf-Karlstadt im Jahr 2005 besteht eine enge Verbindung zu unserem Verein. Damals haben wir bei einem Clubabend einen Vortrag darüber gehalten, was das Thema weibliche Genitalbeschneidung bedeutet. Das Thema liegt dem Club
sehr am Herzen. Soroptimist leitet sich vom Lateinischen sorores optimae ab, was als „beste Schwestern“ übersetzt werden kann. Die Soroptimistinnen Düsseldorf-Karlstadt setzen sich weltweit für Frauenfragen ein und sind mit verschiedenen Projekten ehrenamtlich und fördernd in Düsseldorf aktiv. Dabei fühlen sie sich dem Leitgedanken „Wir schlagen Brücken“ verpflichtet, im Sinne von Unterschiede überwinden, Menschen erreichen und verstehen.
Bücherbummel auf der Königsallee
Zum ersten Mal beteiligte sich die Beratungsstelle stop mutilation Deutschland e.V. am 07. Juni am Bücherbummel auf der Düsseldorfer Königsallee, um das Thema weibliche Genitalbeschneidung und die Arbeit der Fachstelle einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und ein neues Publikum zu erreichen. Unsere Beratungsstelle wurde dabei von Astrid Puttins und Amaal Said Mohamud, Beisitzerin im Vorstand, vertreten, die unsere Informationsmaterialien präsentierten und mit den Besucher*innen ins Gespräch kamen. Dafür hatten uns Ursula Hanke von Amnesty International und eine Kollegin von Agata Romanski-Ordas aus der Anästhesie des Lukaskrankenhauses Neuss einen Tisch an ihrem Stand zur Verfügung gestellt. Ebenfalls am Stand war S.E. Herr Abdiasis Mohamud Mohamed, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Bundesrepublik Somalia in Berlin. Zuvor hatte er unsere Beratungsstelle besucht und sich sehr beeindruckt von unserer Arbeit gezeigt. Insgesamt fünf Tage lang fand das jährliche Bücher-, Literatur,- Musik- und Theaterspektakel auf der Königsallee statt. Auf 600 laufenden Metern stellten sich Verlage, Buchhandlungen und Antiquariate einem besonderen Publikum vor. Dazu gab es ein begleitendes Kulturprogramm mit Autor*innen und Musiker*innen.
Vernetzung
Bundesverdienstkreuz für Dr. Dan mon O’Dey
Für sein herausragendes Engagement im medizinischen Bereich wurde Dr. Dan mon O’Dey am 28. Mai im Jülicher Rathaus mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er ist Deutschlands erster Plastischer Chirurg, der Frauen, die an ihren Genitalien beschnitten wurden, mit eigens entwickelten, rekonstruktiven Operationstechniken hilft. Neben der Rekonstruktion der äußeren Genitalien ist es sein Ziel, den betroffenen Frauen auch die Empfindungsfähigkeit zurückzugeben und psychische Belastungen zu mindern. „Sie schaffen die Voraussetzung dafür, dass Frauen Lebensqualität und Würde zurückerhalten und sich wieder mit ihrem Geschlecht identifizieren können“, sagte Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs.
Vor zahlreichen Gästen aus ganz Deutschland und seiner Familie nahm Dr. Dan mon O’Dey die Ehrung und anerkennenden Worte entgegen. Dazu hatte er auch unsere Geschäftsführerin Jawahir Cumar und die Menschenrechtsaktivistin Fadumo Korn von Nala e.V. eingeladen. Die beiden Frauen hatten im Jahr 2011 das Bundesverdienstkreuz erhalten – ebenfalls für ihr Engagement gegen die weibliche Genitalbeschneidung – und trugen es an diesem Tag besonders stolz. „Vielen Dank, dass es dich gibt. Mit deiner vertrauensvollen Art schaffst du es, Ängste zu nehmen. Es ist nicht in Worte zu fassen, welch große Bedeutung deine Arbeit hat“, würdigte Fadumo Korn Dr. Dan mon O’Dey.
Unsere Beratungsstelle hat viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet, als er Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie am Luisenhospital Aachen war. Dort gründete und leitete er auch das Zentrum für Rekonstruktive Chirurgie weiblicher Geschlechtsmerkmale. Viele Klientinnen unserer Beratungsstelle haben wir zur Rekonstruktionsoperation bei Dr. Dan mon O’Dey nach Aachen begleitet.

Beratungsstelle
Fachtagung am 24. September
Unser Verein Beratungsstelle stop mutilation Deutschland e.V. veranstaltet am 24. September seine achte Fachtagung zum Thema „Weibliche Genitalbeschneidung“ für relevante Berufsgruppen. Die Fachtagung richtet sich insbesondere an Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Beratung, Erziehung und Bildung, bei Behörden und der Polizei. Veranstaltungsort wird von 09.00 bis 15.30 Uhr die Geschäftsstelle des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL, Lenaustraße 41, in Düsseldorf sein. Eröffnet wird die Fachtagung mit einem Grußwort von Elisabeth Wilfart, Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin des Amtes für Gleichstellung und Antidiskriminierung der Landeshauptstadt Düsseldorf.
Mit Fachvorträgen und in praxisnahen Workshops werden erfahrene Referent*innen die teilnehmenden Fachkräfte zu kulturellen, sozialen, medizinischen, rechtlichen und polizeispezifischen Aspekten im Umgang mit dem Thema weibliche Genitalbeschneidung informieren und sensibilisieren. Dabei wird sich die Fachtagung auch mit Fragen auseinandersetzen wie: Was tun gegen weibliche Genitalbeschneidung? Wie das Thema ansprechen? Wie mit Rassismus und Diskriminierung umgehen? Für musikalische Unterbrechungen wird SZIVTAKT mit Trommel-Performance und Handpan-Improvisationen sorgen. Nach einer Abschlussrunde und dem offiziellen Ausklang der Fachtagung besteht für interessierte Teilnehmer*innen noch die Möglichkeit zum Netzwerken.
Impressum
Beratungsstelle stop mutilation Deutschland e.V., Schiessstraße 8-10, 40549 Düsseldorf, Tel. 0211-93885791, www.beratungsstelle-stop-mutilation.de, Redaktion: Jawahir Cumar (V.i.S.d.P.), Jeanette Zachäus
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