
Newsletter 3-2025
Fachkräfte sensibilisieren, Mädchen schützen
Netzwerk Frühe Hilfen Rath
Im Rahmen eines Treffens des Netzwerks Frühe Hilfen Rath am 02. Juli im Rather Familienzentrum in Düsseldorf wurde das Thema weibliche Genitalbeschneidung behandelt. Daran nahmen 15 Fachkräfte teil, darunter Familienhebammen, Erzieher*innen und Insoweit erfahrene Fachkräfte (InsoFa) im Kinderschutz. Dabei handelt es sich um im Kinderschutz entsprechend fortgebildete und erfahrene pädagogische Fachkräfte, die bei der Gefährdungseinschätzung beraten, bei der Vorbereitung von Elterngesprächen unterstützen und sich mit Hilfen vor Ort auskennen. Unsere Geschäftsführerin und Psychosoziale Beraterin Jawahir Cumar informierte die Teilnehmer*innen des Netzwerktreffens über Formen, Folgen und rechtliche Aspekte bei weiblicher Genitalbeschneidung. Das Treffen diente der Sensibilisierung und Prävention zum Thema weibliche Genitalbeschneidung und leistete einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung im Netzwerk Frühe Hilfen Rath. Die Teilnehmenden zeigten großes Interesse und Verständnis für die Thematik und wissen nun, dass sie sich bei Fragen oder Verdachtsfällen jederzeit an unsere Beratungsstelle wenden können.
Fachtag Childhood-Haus Düsseldorf
Anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Childhood-Hauses Düsseldorf fand am 29. September auf dem Gelände des Universitätsklinikums Düsseldorf ein Fachtag zum Thema „Interdisziplinärer Kinderschutz“ statt. Unsere Beratungsstelle wirkte dabei mit dem Workshop „FGM_C – Mädchen
schützen, aufklären und stoppen“ mit, der von der Frauenärztin Agata Romanski-Ordas und Jawahir Cumar geleitet wurde. Sie führten zwei Einheiten von jeweils 45 Minuten durch. Beim ersten Workshop waren 30 Personen anwesend, beim zweiten Workshop waren es 25 Personen. Unter den Teilnehmenden waren Ärzt*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen, Fachkräfte der Polizei und des Jugendamtes, Mitarbeiter*innen von Childhood sowie eine Politikerin. Jawahir Cumar berichtete über Fallbeispiele aus der Beratungsarbeit und Agata Romanski-Ordas aus der gynäkologischen Sprechstunde der Beratungsstelle, die sie leitet. Viele Teilnehmende hörten zum ersten Mal von weiblicher Genitalbeschneidung und zeigten großes Interesse am Thema. Gleichzeitig waren viele Teilnehmer*innen schockiert darüber, dass dieses Thema auch in Deutschland relevant ist. Insbesondere durch die Fallbeispiele, die als sehr verständlich empfunden wurden, konnten wir ihnen das Thema näherbringen.
Learning Journey von Statefree e.V.
Zu einem Austausch hatte uns die Organisation Statefree e.V. am 29. Juli eingeladen. Das Team wollte sein Verständnis für das Thema weibliche Genitalbeschneidung vertiefen. Im Rahmen der internen Learning Journey von Statefree e.V., die online stattfand, hielt Jawahir Cumar als Expertin einen Vortrag zum Thema weibliche Genitalbeschneidung, teilte ihre Erfahrungen aus der Präventionsarbeit und informierte über kulturelle Hintergründe sowie Schutzkonzepte. Der
Austausch mit den Teilnehmenden war von Offenheit, Respekt und großem Interesse am Thema weibliche Genitalbeschneidung geprägt. Dabei wurde auch gefragt, ob in unserer Beratungsstelle Frauen betreut werden, die staatenlos sind oder deren Identität nicht geklärt ist, weil sie ohne Geburtsurkunde und Pass geflüchtet sind. Wir beraten auch betroffene Frauen, die staatenlos sind. Statefree e.V. ist die erste Organisation in Deutschland, die sich ganzheitlich mit dem Thema Staatenlosigkeit befasst. Staatenlose Menschen leben ohne eine anerkannte Staatsangehörigkeit, was Einschränkungen beim Zugang zu grundlegenden Rechten zur Folge hat. Gemeinsam mit betroffenen Personen setzt sich Statefree e.V. für Sichtbarkeit, Gerechtigkeit und politische Veränderungen ein.
Schulungen
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Düsseldorf
Regelmäßig schult die Beratungsstelle stop mutilation Deutschland e.V. die Sonderbeauftragten für geschlechtsspezifisch Verfolgte beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zum Thema weibliche Genitalbeschneidung. Bei der Schulung am 16. September in Düsseldorf nahmen 25 Einzelentscheiderinnen und Einzelentscheider teil. Dabei zeigte Jawahir Cumar einen kurzen Film zum Thema weibliche Genitalbeschneidung in Somalia und eine PowerPoint-Präsentation zu den soziokulturellen Hintergründen. Zudem informierte sie über die Arbeit der Beratungsstelle. Es gab Fragen zum sensiblen Umgang mit betroffenen Frauen und zum Risiko einer erneuten Beschneidung bei einer Abschiebung. Die Schulung führte Jawahir Cumar zusammen mit Isabel Runge, Fachärztin an der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg durch, die die medizinischen Aspekte vermittelte.
Nach der Schulung besuchte Isabel Runge unsere Beratungsstelle, wo an diesem Tag die gynäkologische Sprechstunde mit Dr. Christoph Zerm stattfand. Sie war sehr beeindruckt von unserer Arbeit und der Community-basierten Arbeitsweise der Beratungsstelle.
Politik
Aufnahme des Themas in das Medizinstudium
Die 35. Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder (GFMK) hat die verbindliche Aufnahme des Themas weibliche Genitalverstümmelung/-beschneidung (FGM/C) in das Medizinstudium beschlossen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die immer eine Forderung unseres Vereins war und die hoffentlich zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung betroffener Frauen und Mädchen führen wird.
Beratungsstelle
Fachtagung am 05. Februar 2026
Leider mussten wir unsere für September 2025 geplante Fachtagung verschieben. Nun gibt es einen neuen Termin. Die Fachtagung „Weibliche Genitalbeschneidung – gemeinsam schützen und unterstützen“ findet am 05. Februar 2026 von 09.00 bis etwa 16.00 Uhr im Rathaus der Landeshauptstadt Düsseldorf statt. Mit einer Videobotschaft von Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und einem Grußwort von Elisabeth Wilfart, Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Düsseldorf wird die Fachtagung eröffnet. Die Teilnahmegebühr beträgt 25 Euro.
Die Fachtagung richtet sich an alle relevanten Berufsgruppen, die Kontakt zu betroffenen Frauen, gefährdeten Mädchen und Familien haben. Dazu gehören insbesondere Fachkräfte aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Beratung, Erziehung und Bildung, bei Behörden und der Polizei. Wir möchten sie für das Thema weibliche Genitalbeschneidung sensibilisieren und in ihrer Arbeit unterstützen. Mit Fachvorträgen und in praxisnahen Workshops werden erfahrene Referent*innen kulturelle, soziale, medizinische, rechtliche und polizeispezifische Aspekte im Umgang mit dem Thema weibliche Genitalbeschneidung vermitteln. Die Fachtagung findet im Rahmen des internationalen Tages gegen weibliche Genitalbeschneidung statt, der alljährlich am 06. Februar begangen wird.
Vernetzung
Abschiedsfeier für Daniela Bröhl
Mit einer Abschiedsfeier am 16. September verabschiedete sich Daniela Bröhl, Leiterin des Sachgebiets „Integration, Migration und Flucht“ bei der Diakonie Düsseldorf in den vorzeitigen Ruhestand. Dazu war auch Jawahir Cumar eingeladen. Lange Zeit hat Daniela Bröhl bei der Diakonie Düsseldorf unsere Arbeit begleitet und unterstützt sowie mehrere Fachtagungen gemeinsam mit uns durchgeführt. Zwischen unserer Beratungsstelle und der Diakonie Düsseldorf besteht eine enge Kooperation.
Wir danken Daniela Bröhl sehr herzlich für ihre Unterstützung und die gute Zusammenarbeit. Für ihren Ruhestand wünschen wir ihr alles Gute.
Impressum
Beratungsstelle stop mutilation Deutschland e.V., Schiessstraße 8-10, 40549 Düsseldorf, Tel. 0211-93885791, www.beratungsstelle-stop-mutilation.de, Redaktion: Jawahir Cumar (V.i.S.d.P.), Jeanette Zachäus
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